High-Tech Gründungen als Motor für Innovationen
Euskirchen, 30. November 2011
Zum Abschluss eines arbeitsreichen Wochenendes trafen sich die Kreistagsfraktionen aus Heinsberg und Euskirchen im LVR-Landesmuseum in Bonn. Es war allerdings kein „museales“ Thema, das man sich vorgenommen hatte: Wie können z. B. ein Flächenkreis und seine kommunale Wirtschaftsförderungs-Einrichtungen jungen innovativen und technologieorientierten Unternehmen bei der Verwirklichung Ihrer Ideen und deren Start-Finanzierung helfen und damit den Standort (den Kreis) für solche Unternehmen besonders attraktiv machen? Vor dem Hintergrund der knappen Ressource Kapital, lag es nahe, sich einmal im Land umzuschauen und zu prüfen, in wieweit vorhandene Risikokapital- (Venture Capital)-Quellen für solche Vorhaben „angezapft“ werden können.
Treffen zum Thema Risikokapital
Foto: Dieter Görtz
Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des in Bonn angesiedelten „High-Tech-Gründerfonds“ (HTGF) war dankenswerter Weise der sonntäglichen Einladung gefolgt und stellte die Aktivitäten seines vom Bundeswirtschafts-ministerium, der KfW und diversen Industriepartnern 2005 gegründeten Spezial-Fonds vor. Als besonderen Gast der Veranstaltung begrüßten die Fraktions-vorsitzenden Stefan Lenzen und Hans Reiff Frau Gabriele Molitor MdB, die immer auf der Suche nach fruchtbaren Ideen aus der und für die „Heimat“ ist, um diese in Berlin in den richtigen Gremien zu Gehör zu bringen.
Kreis Euskirchen aktiven „sachkundigen Bürger“ Thomas Kühr in der Diskussionsrunde, der zu den Urgesteinen der deutschen Venture Capital Landschaft zählt und der selbst einer Expertenkommission angehörte, die den HTGF im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums im Jahr 2004 konzipierte.
Der High-Tech Gründerfonds investiert bundesweit Risikokapital in junge, chancenreiche
Technologie-Unternehmen, die innovative Geschäftskonzepte unternehmerisch umsetzen.
Mit Hilfe der Seedfinanzierung sollen die Start-Ups ihre Innovation bis zum Prototypen
bzw. „Proof of Concept“ oder zur Markteinführung führen. Der High-Tech Gründerfonds
beteiligt sich an der Seedfinanzierung mit rund 500.000 Euro. Er unterstützt die High-Tech Unternehmen mit seinen Investmentmanagern und einem ausgewiesenen Netzwerk von
Coaches, Investoren und Experten. Dr. Brandkamp beschrieb anschaulich die Erfahrungen aus den Aktivitäten der nunmehr abgelaufenen Investitionsperiode des mit 272 Millionen Euro ausgestatteten HTGF Nr. 1 - dies vor dem Hintergrund der Tatsache, dass das Finanzierungssegment Venture Capital in Deutschland deutlich unterbesetzt ist, so dass die Arbeit des HTGF für den Technologie- und Wissensstandort Deutschland einen enormen Stellenwert hat: Seit seiner Gründung ist der High-Tech Gründerfonds I rund 250 Beteiligungen an jungen Technologieunternehmen eingegangen; über 2.300 zukunftsfähige Arbeitsplätze sind entstanden. Darüber hinaus konnten 335 Mio. Euro überwiegend private Mittel für Anschlussfinanzierungen eingeworben werden, doppelt so viel Geld wie der High-Tech Gründerfonds selbst investiert hat. Er gilt heute als Qualitätssiegel und hat den brach liegenden Markt für risikobehaftete Gründungsfinanzierungen neu belebt.
Damit die Erfolgsgeschichte des High-Tech-Gründerfonds weiter gehen kann, nimmt in diesen Tagen der High-Tech Gründerfonds Nr. 2 mit frischer „Munition“ seine Geschäftstätigkeit auf: 288,5 Mio. Euro stellt das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort in Zusammenarbeit mit der KFW und zwölf Industrieunternehmen für Gründer aus dem High-Tech Bereich zur Verfügung. Die Beteiligungen aus der Industrie belaufen sich im Fonds II auf 28,5 Millionen. Mit 220 Millionen Euro steuert der Bund den größten Anteil bei. 40 Millionen Euro übernimmt die staatliche KfW Bankengruppe.
Angeregt durch dieses „Füllhorn“ von Innovationskapital diskutierten die Teilnehmer dann intensiv, wie man in den beiden Kreisen Nutznießer dieser Mittel werden könnte: Einerseits stellte sich heraus, dass das der HTGF und seine Instrumente zur Förderung von technologiebasierten Unternehmensgründungen nicht hinreichend bekannt genug vor Ort sind – trotz der Nähe und Zugehörigkeit der Kreise zur IHK – und Hochschulregion Aachen.
Andererseits wurde klar, dass die Investitions-Zusagen des HTGF sehr selektiv sind und aus einem Aufkommen von über 1.000 Anfragen pro Jahr herausgefiltert werden müssen.
Die Fraktionen wollen gemeinsam über eigenständige neue Finanzierungs-Instrumente nachdenken und vor allem auch prüfen, wie man die Standorte so attraktiv gestalten kann, dass die Region „Heinsberg-Euskirchen“ auf diese Weise zum neuen Silicon Valley mutiert und sich die gewünschten Wachstums-Gründer scharenweise ansiedeln.




