„Jugendarbeit rechnet sich auf Jahre...“
Gretchenfrage: Wo und in welcher Höhe soll der Kreis Mittel einsetzen?
Die Pädagogen Siegrid Sanden-Hennes (r.) und Hubertus Dirks (l.) informierten mit der Vorsitzenden von „“Kolosseum“ e.V. Christa Mann und Vorstandsmitglied Rolf Hörnchen, wie man versucht, in Gemünd erfolgreiche Jugendarbeit zu leisten.
GEMÜND. Überall da, wo Jugendarbeit geleistet wird und vom Kreis finanziell entlohnte Pädagogen tätig sind, geht Sorge um. Wie sieht die Zukunft aus? Kann man weiter mit Kreismitteln für die pädagogischen Fachkräfte rechnen und die bisherige Arbeit fortsetzen? Die Sorge ist nicht grundlos, denn im Kreistag steht die Entscheidung an, ob die ohnehin knappen Mittel neu verteilt werden sollen (örtliche Veränderung der bisher 12,9 Fachkraftstellen).
Die FDP-Kreistagsfraktion machte sich „vor Ort“, wie sie es vor wichtigen Beschlüssen meist tut, mal wieder „schlau“ und ließ sich in Gemünd im „Kolosseum“ informieren, unter welch schwierigen Bedingungen Jugendarbeit geleistet wird. Das „Kolosseum“, ursprünglich mal bei der evangelischen Kirchengemeinde angesiedelt, gibt es in Vereinsträgerschaft seit 2007.
Die FDP-Kreistagsfraktion informierte sich „vor Ort“, um für die Beratungen besser gerüstet zu sein, wo und in welchem Maß der Kreis künftig Fachkräfte finanziell absichert. „stemmen“, um die finanziellen und materiellen Voraussetzungen für die pädagogische Arbeit von Siegrid Sanden-Hennes und Hubertus Dirk zu schaffen. Denn nur das Gehalt der beiden (gemeinsam 0,9 Stellen) wird vom Kreis getragen, alles andere wie Mieten, Spielgeräte, Lehr- und Lernmittel aufbringen. Da es keine Beiträge gibt, ist man ausschließlich auf Spenden angewiesen. Rund 15.000 Euro benötigt man jährlich.
Sanden-Hennes erläuterte den FDP-Politikern Konzept und Arbeitsweise im „Kolosseum“. Von Montag bis Freitag sind die jugendgerechten Räumlichkeiten täglich jeweils fünf Stunden, teils bis 21 Uhr, geöffnet. In der Regel zählt man zwischen 17 und 30 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren, mittwochs kümmert man sich um 10- bis 13-Jährige.
Im „Kolosseum“ in Gemünd sind täglich bis zu 30 Jugendliche in guten Händen. Tischtennis, Dart, Billard, Tischfußball – Spielmöglichkeiten gibt es genügend. Aus Gemünd und der näheren Umgebung kommen Gymnasiasten, Hauptschüler, aber auch „sozial benachteiligte Jungen und Mädchen, die relativ viel Aufmerksamkeit beanspruchen“ – so die Pädagogin. Das sei nicht immer problemlos, aber man motiviere die Jugendlichen zu gegenseitigem Respekt und Toleranz. Vorsitzende Christa Mann hat ein „gegenseitiges soziales Lernen“ festgestellt mit positiven Auswirkungen. Ihr Fazit: „Diese Arbeit rechnet sich prophylaktisch auf Jahre.“
Natürlich blickt man in Gemünd mit Spannung auf das, was die Politiker demnächst entscheiden, wenn sie den „Kinder- und Jugendförderplan“ fortschreiben, denn man benötigt ja eine gewisse Planungssicherheit.
Würde beispielsweise die pädagogische Arbeit in Gemünd reduziert, hätte das fatale Auswirkungen auf Öffnungszeiten, Attraktivität und somit auch auf individuelle Betreuung nebst präventiver Drogenarbeit. „Es wäre zu befürchten, dass viele, die wir auffangen könnten, (wieder) unter die Räder kommen“, ist man sich im Vorstand sicher.
Natürlich weiß man auch bei der FDP, dass der Kreis sparen muss. Wenn man aber bei der Förderung der Jugendarbeit spare, so Fraktions-Chef Hans Reiff, könne das letztendlich für den Kreis sehr teuer werden – etwa wegen Heimunterbringungen.
Beim „Kolosseum“, wo deutsche und Jugendliche mit Migrationshintergrund täglich aufeinander treffen, wo sie lernen, sich gegenseitig zu respektieren und Konflikte gewaltfrei zu lösen, wo Rücksichtnahme, Kooperationsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein sowie die Akzeptanz von Regeln und Grenzen gelehrt und erlernt wird, hofft man, die bisherige Arbeit zumindest im bisherigen Rahmen mit den jetzigen Pädagogen fortsetzen zu dürfen. „Eine Reduzierung hätte katastrophale folgen“, prognostiziert Vorsitzende Christa Mann.




